Dialyse: Wenn die Niere versagt
Die Nieren sind lebenswichtige Organe, die täglich etwa 180 Liter Blut filtern und dabei Abfallstoffe sowie überschüssiges Wasser ausscheiden. Wenn die Nierenfunktion stark nachlässt oder ganz ausfällt, können sich giftige Stoffe im Körper ansammeln. In solchen Fällen wird eine Dialyse notwendig, um die Filterfunktion der Nieren künstlich zu ersetzen. Dieser Artikel erläutert, wie Dialyse funktioniert, wann sie erforderlich wird und welche Formen es gibt.
Wann wird Dialyse notwendig?
Eine Dialyse kommt zum Einsatz, wenn die Nieren ihre Funktion zu etwa 85 bis 90 Prozent verloren haben. Dies kann plötzlich (akutes Nierenversagen) oder schleichend (chronisches Nierenversagen) geschehen. Ursachen für ein chronisches Nierenversagen sind häufig Diabetes mellitus, Bluthochdruck, chronische Nierenerkrankung in verschiedenen Stadien oder wiederholte Nierenentzündungen wie Glomerulonephritis. Auch Nierensteine können langfristig zu Nierenschäden führen.
Typische Symptome eines fortgeschrittenen Nierenversagens sind Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Atemnot und Wassereinlagerungen in Beinen und Lungen. Ein Bluttest zeigt erhöhte Kreatinin- und Harnstoffwerte an. Wenn die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) unter 15 ml/min/1,73m² fällt, ist Dialyse in der Regel unvermeidbar.
Wie funktioniert Dialyse?
Dialyse basiert auf dem Prinzip der Diffusion und Ultrafiltration. Blut wird aus dem Körper geleitet, durch eine semipermeable Membran gepumpt und mit einer speziellen Lösung (Dialysat) in Kontakt gebracht. Kleine Moleküle wie Harnstoff und Kreatinin diffundieren durch die Membran in das Dialysat, während Blutzellen und große Proteine zurückbleiben. Gleichzeitig wird überschüssiges Wasser aus dem Blut entfernt.
Es gibt zwei Hauptformen der Dialyse: Die Hämodialyse findet in einem Dialysezentrum statt und dauert etwa drei bis fünf Stunden pro Sitzung, üblicherweise dreimal pro Woche. Der Nephrolog legt einen Gefäßzugang an, meist durch eine Fistel am Unterarm. Bei der Peritonealdialyse hingegen nutzt man das Bauchfell (Peritoneum) als natürliche Filtermembran. Dialysat wird in die Bauchhöhle eingeleitet, verbleibt dort mehrere Stunden und wird dann ausgetauscht. Diese Methode kann der Patient teilweise selbst zu Hause durchführen, was mehr Flexibilität bietet.
Leben mit Dialyse
Dialysepatienten müssen ihre Ernährung sorgfältig überwachen. Kalium, Phosphor und Natrium müssen begrenzt werden, da die Dialyse diese Stoffe nicht vollständig entfernt. Die Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls eingeschränkt. Regelmäßige Laborkontrollen und ärztliche Überwachung sind essentiell.
Die beste Perspektive für Dialysepatienten ist eine Nierentransplantation. Eine gespendete oder von einem lebenden Spender stammende Niere kann die Dialyse überflüssig machen und die Lebensqualität erheblich verbessern. Allerdings ist die Warteliste lang, und nicht jeder Patient kommt für eine Transplantation infrage.
Dialysepatienten haben ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und kardiovaskuläre Erkrankungen. Daher ist die Prävention von Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall besonders wichtig. Eine gute Compliance bei der Dialyse, blutdrucksenkende Medikamente und ein gesunder Lebensstil sind entscheidend.
Eine Dialysebehandlung ermöglicht vielen Menschen mit Nierenversagen ein langes und aktives Leben. Moderne Techniken, bessere Medikamente und psychosoziale Unterstützung haben die Prognose deutlich verbessert. Dennoch ist eine enge Zusammenarbeit mit dem medizinischen Team und Eigenverantwortung des Patienten erforderlich. Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihren Arzt.